Lehrerin, die neben einer Schülerin sitzt und ihr etwas erklärt

Die nationalen Bildungsstandards und die hessischen Kerncurricula

Hessen geht über die Implementierung der durch die Kultusministerkonferenz formulierten Bildungsstandards für die Hauptfächer und bestimmte Nebenfächer hinaus. Für alle Unterrichtsfächer der Primarstufe und Sekundarstufe I, der gymnasialen Oberstufe sowie für das berufliche Gymnasium und die Fachoberschule wurden in Hessen Kerncurricula entwickelt.

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Aufbau von Kompetenzen zum Ziel

Mit den Kerncurricula sichert Hessen bereits seit einigen Jahren den Weg einer konsistenten Kompetenzentwicklung. Für alle Schülerinnen und Schüler von der Primarstufe über alle Bildungsgänge der Sekundarstufe I bis zum Abschluss der gymnasialen Oberstufe sind die Kerncurricula bereits verbindliche Grundlage des Unterrichts in allen Fächern.

Die Kerncurricula beinhalten neben überfachlichen Kompetenzbereichen verbindliche fachbezogene Bildungsstandards als Könnensformulierungen (Kompetenzen), die aber grundsätzlich keine Aussagen über konkrete Unterrichtsinhalte enthalten. Sie werden daher ergänzt um den inhaltlich unverzichtbaren Kern eines Faches (Inhaltsfelder in den Kerncurricula der Primarstufe und der Sekundarstufe I) bzw. um verbindliche inhaltliche Festlegungen (Themenfelder in den Kerncurricula der gymnasialen Oberstufe).

Damit wird das Prinzip des kompetenzorientierten Unterrichts gestärkt, indem sich Wissen und Können der Lernenden ergänzen, die Anwendung von Wissen also im Zentrum steht.

Entwicklung der Kerncurricula

Die Hessische Lehrkräfteakademie ist bei der Erstellung und Weiterentwicklung aller Kerncurricula federführend, leistet damit einen zentralen Beitrag zur Sicherung der Unterrichtsqualität und versteht sich als Unterstützer bei Fragen auf curricularer Ebene.

Die Hessische Lehrkräfteakademie arbeitet dabei mit Fachgruppen, bestehend aus erfahrenen Lehrkräften aller Schulformen sowie Ausbildungsleiterinnen und -leitern, zusammen. Anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen und begleiten alle Arbeitsvorhaben konzeptionell und fachdidaktisch.

Kerncurricula

In allen Fächern der Primarstufe sowie der Sekundarstufe I (Haupt- und Realschule sowie Gymnasium) sind die Kerncurricula bereits seit Schuljahresbeginn 2011/2012 verbindliche Grundlage des Unterrichts.

Praxisnahe Orientierung

Zu jedem Fach wurde zusätzlich ein Leitfaden bereitgestellt, der vor allem Lehrkräften eine praxisnahe Orientierung bieten soll.

Der Leitfaden verdeutlicht beispielhaft, wie über die Jahrgangsstufen hinweg ein Aufbau von Kompetenzen möglich wird. Dabei werdenBeispiele für die Umsetzungder in den Inhaltsfeldern der Kerncurricula bewusst nur als Kern beschriebenen Inhalte und Themen der jeweiligen Fächer gegeben. Somit wird exemplarisch dargestellt, durch welche Inhalte bestimmte Bildungsstandards erreicht werden können.

Auf der Basis einer breiten Evaluation werden derzeit die Inhaltsfelder der Kerncurricula durchgängig konkretisiert, um die Umsetzung des Kerncurriculums und damit der Kompetenzorientierung insgesamt weiter zu unterstützen. Schulen werden somit in ihrer curricularen Arbeit begleitet.

Lehrkräfte erhalten durch die den inhaltlichen Kern (Inhaltsfelder) strukturierenden und ergänzenden Erläuterungen eine sinnvolle Orientierung für die Planung und Durchführung ihres Unterrichts.

Kerncurricula und Leitfäden

Die Kerncurricula für die Primarstufe und die Sekundarstufe I können ebenso wie die fachbezogenen Leitfäden von der Webseite des Hessischen Kultusministeriums heruntergeladen werden.

Beginnend mit der Einführungsphase gelten seit Schuljahresbeginn 2016/2017 in allen 25 allgemeinbildenden Fächern auch die Kerncurricula für die gymnasiale Oberstufe verbindlich.

Konzeption und Unterstützung

Die Kerncurricula für die gymnasiale Oberstufe schließen konzeptionell an die Bildungsstandards und die Kerncurricula für die Primar- und Sekundarstufe I an, sind aber durch breitere und konkretere inhaltliche Festlegungen (Themenfelder) gleichsam auf die spezifischen Anforderungen des Landesabiturs abgestimmt.

Die verbindlich gesetzten Bildungsstandards in Verbindung mit den Unterrichtsinhalten beschreiben dieLeistungserwartungen am Ende der gymnasialen Oberstufe.

Für die Arbeit mit den Kerncurricula stehen fachbezogen unterschiedlich ausgerichtete Materialien bereit:

  • Anregungen zu fachübergreifendem und fächerverbindendem Lernen,
  • Umsetzungsbeispiele für kompetenzorientierte Lernaufgaben zu Themenfeldern,
  • Foliensätze, in denen die wesentlichen Merkmale der curricularen Konzeption im jeweiligen Fach erläutert werden,
  • Literaturhinweise zu fachdidaktischen Themen und Materialien für den Unterricht.

Kerncurricula und Begleitmaterialien

Die Kerncurricula für die gymnasiale Oberstufe können mitsamt den fachbezogenen Begleitmaterialien von der Webseite des Hessischen Kultusministeriums heruntergeladen werden.

Kerncurricula für das berufliche Gymnasium

Mit Beginn des Schuljahrs 2018/2019 sind die Kerncurricula für die 13 Fachrichtungen und Schwerpunkte im beruflichen Gymnasium (KCBG) in Kraft getreten.

Konzeption und Unterstützung

Die Kerncurricula für das berufliche Gymnasium bilden die unterrichtliche Grundlage für alle Schülerinnen und Schüler aufsteigend ab der Einführungsphase 2018/2019. Im Bereich der allgemeinbildenden Fächer am beruflichen Gymnasium sind die Kerncurricula gymnasiale Oberstufe seit dem Schuljahr 2016/2017 verbindliche Unterrichtsgrundlage.

Für die fachrichtungs- und schwerpunktbezogenen Fächer wurden im Hinblick auf den besonderen „hessischen Weg“ eigene Kerncurricula entwickelt, die der doppelten Zielsetzung des beruflichen Gymnasiums Rechnung tragen:

Einerseits führt das berufliche Gymnasium zurAllgemeinen Hochschulreife (Abitur)und damit zu derselben Hochschulzugangsberechtigung wie ein Abschluss der gymnasialen Oberstufe, andererseits ergeben sich durch den deutlichen Berufsbezug im Unterricht in den fachrichtungs- und schwerpunktbezogenen Fächern detaillierte Kenntnisse, die einen Vorteil bei der entsprechenden Studien- und Berufswahl darstellen. Kompetent beraten hierbei die Lehrkräfte der beruflichen Gymnasien unter Einbezug ihrer einschlägigen Berufserfahrungen.

Im zweiten Schulhalbjahr des Schuljahrs 2018/2019 werden die Lehrkräfte im Rahmen von Fortbildungen durch fachbezogene Handreichungen mit Umsetzungsbeispielen aus dem Unterrichtsalltag, Impulsen und Materialien in ihrer pädagogischen Arbeit auf Basis der Kerncurricula unterstützt.Im Schuljahr 2020/2021 werden die Kerncurricula erstmals die Grundlage für die Prüfungen in den fachrichtungs- und schwerpunktbezogenen Fächern im Rahmen des zentralen Landesabiturs sein.

Der „hessische Weg“ der konsistenten Kompetenzentwicklung aller Lernenden und eines stringenten Konzepts sichert die Anschlussfähigkeit der Bildungsabschnitte und die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen.

Kerncurricula

Die Kerncurricula berufliche Gymnasien können von der Webseite des Hessischen Kultusministeriums heruntergeladen werden.

Neue Kerncurricula für die Fachoberschule

Die neuen Kerncurricula für die Fachoberschule werden aktuell erstellt und liegen als Entwurfsfassungen vor.

Aktueller Arbeitsstand

Die Kerncurricula werden künftig für die allgemeinbildenden sowie die fachrichtungs- und schwerpunktbezogenen Fächer der hessischen Fachoberschulen gelten.

Zurzeit werden die im Zuge des informellen Beteiligungsverfahrens eingegangenen Rückmeldungen ausgewertet.Auf der Basis der genauen Auswertungen werden in einem weiteren Verfahrensschritt die finalen Fassungen der Kerncurricula erstellt.Diese bilden die Grundlage für das im gesetzlichen Rahmen durchzuführendeformelle Beteiligungsverfahren.

Es ist geplant, die Kerncurricula zum Schuljahresbeginn 2022/2023für alle Fächer der Fachoberschule in Kraft zu setzen.

Beteiligung der Öffentlichkeit und von Gremien

Die Beteiligung der Öffentlichkeit findet bei der Erstellung neuer Kerncurricula über ein bewährtes Online-Rückmeldeverfahren statt. Bei diesem informellen Beratungsverfahren werden die jeweiligen Entwürfe lange vor der Inkraftsetzung im Internet veröffentlicht, um der interessierten Fachöffentlichkeit die Möglichkeit entsprechender Rückmeldungen zu geben.

Über die entsprechenden Gremien auf Landesebene werden in einem zweiten Schritt auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern offiziell beteiligt. Beide Verfahren erhöhen somit nicht nur Transparenz und Legitimation der Kerncurricula, sondern sind auch wichtige Säulen der Qualitätssicherung.

Das Konzept der nationalen Bildungsstandards

In den Jahren 2002 bis 2004 hat die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) nationale Bildungsstandards für die Primarstufe (Deutsch und Mathematik), für den Mittleren Bildungsabschluss (Deutsch, Mathematik, Englisch/Französisch, Naturwissenschaften), für den Hauptschulabschluss (Deutsch, Mathematik, Englisch/Französisch) sowie 2012 für die gymnasiale Oberstufe (Deutsch, Mathematik, Englisch/Französisch) eingeführt.

Die Bildungsstandards bilden die Grundlage für die landesspezifischen Curricula

Alle Bundesländer, so auch Hessen, haben sich verpflichtet, die nationalen Bildungsstandards als Grundlage für den Unterricht zu übernehmen und im Rahmen der Erarbeitung landesspezifischer curricularer Vorgaben, in der Unterrichtsentwicklung und der Lehrerfortbildung zu implementieren. Die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz als länderübergreifender Bildungsplan sind in den hessischen Kerncurricula der Primarstufe, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II berücksichtigt und konkretisiert und fördern einen kompetenzorientierten Unterricht.

Intendiert ist eine Vergleichbarkeit schulischer Anforderungen an den Kompetenzerwerb der Kinder und Jugendlichen in den jeweiligen Bildungsabschnitten und für die entsprechenden Abschlussprofile mit dem Ziel der Qualitätssicherung und der Wahrung von Chancengleichheit im Schulsystem. Bildungsstandards haben nicht das Ziel, Bildung zu standardisieren, noch viel weniger geht es dabei um eine Standardisierung wichtiger individueller Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung.

Bücherstapel

Erläuternde Texte

Begleittexte zur Konzeption und Arbeitshilfen für Lehrkräfte

Zur intensiveren Einarbeitung in die theoretischen Grundlagen der Kerncurricula stehen erläuternde und weiterführende Begleittexte zur Verfügung.

Weitere Arbeitsmaterialien und Veröffentlichungen zum kompetenzorientierten Unterrichten sowie Bezugsmöglichkeiten für die hessischen Kerncurricula finden Sie im

Publikationsverzeichnis des Hessischen KultusministeriumsÖffnet sich in einem neuen Fenster

Das Können der Schülerinnen und Schüler steht im Vordergrund

Die Erwartungen an das Können – im Sinne der verständigen und verantwortungsbewussten Anwendung von Wissen – werden in Bildungsstandards gefasst als nachweisbare Ziele und Ergebnisse von Unterricht. Bildungsstandards benennen den Ausprägungsgrad einer Kompetenz, über die Kinder und Jugendliche am Ende eines Bildungsganges (auf einen Abschluss bezogen) verfügen sollen. Bildungsstandards sind als Regelstandards formuliert.

Anders als Lehrpläne sind die durch Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) formulierten Standards keine Sammlungen zu vermittelnder Inhalte, sondern sie benennen fachbezogene Kompetenzen mit thematisch-inhaltlichen Bezügen. Die Kerncurricula weisen entsprechend für die Primarstufe und Sekundarstufe I Bildungsstandards in Verbindung mit Inhaltsfeldern als Kerncurriculum aus.

Der Erwerb einer Kompetenz und ihr jeweiliger Ausprägungsgrad zeigen sich in der Fähigkeit, Aufgaben zu lösen, die nicht im schematischen Abfragen von erlerntem Wissen bestehen, sondern Problemlösungen erfordern. Die dafür notwendigen Kompetenzen ermöglichen den Transfer von Bekanntem auf etwas Neues. Kompetenzen sind deshalb die Verbindung von Wissen und Können. Ihr Erwerb ist daher immer gebunden an die aktive Auseinandersetzung mit konkreten und zentralen Inhalten des Faches beziehungsweise problemorientierten fachlichen, fachübergreifenden und überfachlichen Fragestellungen.

Eine Trainerin mit einer Lerngruppe im Gespräch; sie steht an einem Whiteboard

Veranstaltungskatalog

Professionalisierung im Beruf

Bei der Professionalisierung und der Schulentwicklung kommt der Fortbildung eine zentrale Bedeutung zu. Der landesweite Katalog ermöglicht eine gezielte Recherche nach der gewünschten Fortbildung.

Bei weiteren Fragen

Johannes Herz
Telefon: +49 611 8803-240
E-Mail: Johannes.Herz@kultus.hessen.de