Ein Schüler und eine Schülerin mit Schutzbrille

Workshops für alle

Neben den Workshops zu Chemie, Biologie und Physik gibt es auch Workshops, die sich allgemein auf naturwissenschaftlichen Unterricht beziehen (Nw 1 bis 3). Diese sind sowohl für Kolleginnen und Kollegen geeignet, die Nawi als integriertes naturwissenschaftliches Fach unterrichten, wie auch für die, die Biologie, Chemie oder Physik unterrichten.

Ebenso sind die fachbezogenen Workshops (Ch1 und 2, Bio1 und 2, Ph1 und 2) für Kolleginnen und Kollegen geeignet, die Nawi als integriertes naturwissenschaftliches Unterrichtsfach unterrichten.

Zur Orientierung über die Arbeitsweise sind die Workshops in drei Typen kategorisiert: Es gibt projektbasierte Workshops, solche zum Best-Practice-Sharing und interaktive Workshops.

Workshops zum Unterrichtsfach Biologie

Bio 1 | Phase I

Best-Practice-Sharing

Dilemmasituationen haben sich in der aktuellen biologiedidaktischen Forschung als besonders wirksame Lerngelegenheiten erwiesen, um kognitiv aktivierende Lernprozesse im naturwissenschaftlichen Unterricht anzuregen. Als sogenannte Socioscientific Issues (SSI) verbinden sie fachliche Inhalte der Biologie mit gesellschaftlich relevanten, ethisch und normativ geprägten Fragestellungen, die durch ihre Komplexität und Offenheit gekennzeichnet sind. 

Charakteristisch für solche Dilemmasituationen ist, dass sie keine eindeutigen Lösungen zulassen, sondern das Abwägen konkurrierender Handlungsoptionen erfordern. Empirische Studien zeigen, dass Lernende in diesen Kontexten verstärkt höhere kognitive Prozesse wie Argumentieren, Perspektivenübernahme, Urteilsbildung und Reflexion bewältigen müssen.

Der Workshop greift diese Forschungsperspektive auf und stellt Dilemmasituationen im Biologieunterricht als gezielt gestaltete Unterrichtssettings vor, in denen fachliches Wissen, gesellschaftliche Bewertung und ethische Reflexion systematisch miteinander verknüpft werden. Im Zentrum steht die Frage, wie Schülerinnen und Schüler durch multiperspektivische, kontroverse Problemstellungen dazu angeregt werden können, biologische Sachverhalte nicht nur zu reproduzieren, sondern in Entscheidungsprozessen anzuwenden und kritisch zu reflektieren.

Als expliziter theoretischer Bezugsrahmen dient das WAAGER-Modell der Bewertungskompetenz, das den Bewertungsprozess in die Schritte Wahrnehmen, Analysieren, Argumentieren, Gewichten, Entscheiden und Reflektieren strukturiert.

Der Workshop richtet sich an Lehrkräfte, die „Action im Kopf“ erzeugen möchten, indem sie durch Dilemmasituationen biologische Lernprozesse öffnen und vertiefen. Er verbindet empirisch fundierte fachdidaktische Konzepte mit praxisnahen Umsetzungsbeispielen und zeigt, wie Dilemmasituationen zu einer nachhaltigen Förderung kognitiver Aktivierung, fachlichen Verstehens und gesellschaftlicher Urteilsfähigkeit im Biologieunterricht beitragen können.

Sebastian Steinmetz, Hessische Lehrkräfteakademie

Bio 2 | Phase II

Best-Practice-Sharing

Im Workshop geht es um die Aktivierung der Lernenden beim Erfassen von biologischen Sachtexten und den dazugehörigen Abbildungen mithilfe kooperativer Methoden. Verständnis und Motivation werden dadurch deutlich gesteigert. 

Nach einer Einführung in die Schwierigkeiten des Lesens von Sachtexten und die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen Texten und Abbildungen im Fach Biologie werden Lesemethoden für Partner- und Gruppenarbeit vorgestellt. In der sich anschließenden Arbeitsphase erfolgt das Ausprobieren an selbst mitgebrachten oder zur Verfügung gestellten Materialien und das Anpassen der Methoden an den eigenen Unterricht.

Dr. Agnes Tafreschi, Hessische Lehrkräfteakademie

Workshops zum Unterrichtsfach Chemie

Ch 1 | Phase I

Best-Practice-Sharing

Wie lässt sich der (Chemie-)Unterricht so gestalten, dass er die Vielfalt und Potenziale der Lernenden sichtbar macht? Komplexe Lernaufgaben bieten hierfür eine spannende und wirkungsvolle Möglichkeit.

Im Workshop werden praxisnahe Beispiele aus dem Chemieunterricht vorgestellt, die zeigen, wie solche Aufgaben kognitive Fähigkeiten fördern, kreatives Denken anregen und eigenständiges Arbeiten unterstützen. Anschließend entwickeln die Teilnehmenden in Kleingruppen eigene Ideen für komplexe Lernaufgaben.

Dr. Ines Schrader, Hessische Lehrkräfteakademie

Ch 2 | Phase II

Best-Practice-Sharing

Die Lernbedingungen an Schulen haben sich in den letzten Jahren verändert. Viele Lehrkräfte müssen neben ihrem Unterricht Zeit für die Differenzierung auf verschiedensten Niveaus einplanen sowie für Verwaltungsaufgaben und für Sorgen und Probleme der Lernenden. Die Vor- und Nachbereitung des eigentlichen Unterrichts muss ebenfalls bewältigt werden. Um diese Zeit zu minimieren und alle Lernenden einzubeziehen, eignen sich Experimente im Miniaturformat hervorragend.

Gestalten Sie Ihren Chemieunterricht mit faszinierenden Miniatur-Experimenten, die den Lernprozess spannend und nachhaltig gestalten! In unserem Workshop zeigen wir Ihnen, wie Sie mit einfachen Materialien (wie zum Beispiel Spritzen oder Deckgläschen) beeindruckende Experimente im Kleinformat durchführen können, welche ideal für den Einsatz im Chemieunterricht oder zuhause sind. 

Es erwarten die Teilnehmenden 

  • spannende Experimente im Kleinformat zu verschiedenen Themen der Sek I,
  • praktische Tipps und Tricks zur Durchführung der Experimente,
  • kreative Ideen, um klassische Experimente für alle Lernenden durchführbar und erfahrbar zu machen und
  • viel Raum für Fragen sowie für Austausch und Inspiration.

Franziska Hund, KGS Sehnde / Sarah Hentschel, IGS Franzsches Feld in Braunschweig

Workshops zum Unterrichtsfach Physik 

Ph 1 | Phase I

interaktiver Workshop

... Grundwissen im Physikunterricht wachhalten 

Im Physikunterricht kommen das regelmäßige Üben und Anwenden von bereits Gelerntem häufig zu kurz. Das führt dazu, dass Wissen schnell verblasst und als Grundlage für weiteres Lernen nicht mehr zur Verfügung steht. Um diesem Problem zu begegnen, wurde die aus der Mathematik-Didaktik bekannte und praxiserprobte Übungsmethode der „vermischten Kopfübungen“ für den Physikunterricht der Sekundarstufe I adaptiert. Im Workshop lernen Sie diese Variante kennen und ausprobieren.

Sie arbeiten mit einem bereitgestellten Prompt-Generator, mit dem Sie in der KI Ihrer Wahl (zum Beispiel „Telli“) Kopfübungen zu Ihren eigenen Unterrichtsthemen erstellen können.

Für alle, die noch einen Schritt weitergehen möchten, besteht außerdem die Möglichkeit zu erfahren, wie sich der Generator im Sinne des sogenannten „Vibe-Codings“ erweitern lässt: Sie beschreiben in eigenen Worten Art, Niveau und Charakter der gewünschten Aufgaben, während die KI die technische Fleißarbeit übernimmt. So können zum Beispiel Prompts für Übungsaufgaben zum Nachlernen entstehen oder Aufgabenformate, die neben dem Fachwissen auch weitere Kompetenzen ansprechen. Die so entstandenen Bausteine lassen sich leicht in den Prompt-Generator integrieren.

Im Workshop können Sie:

  • ein praxiserprobtes Konzept für vermischte Kopfübungen im Physikunterricht erleben,
  • einen sofort einsetzbaren Prompt-Generator für die KI-gestützte Entwicklung von Kopfübungen kennen lernen,
  • Ideen sammeln, wie Sie das Tool über die Kopfübungen hinaus für unterschiedliche Aufgabenformate nutzen können – und das nicht nur für den Physikunterricht.

Dr. Martin Dickmann, Universität Essen-Duisburg

Ph 2 | Phase II

Best-Practice-Sharing

Ein zentrales Ziel naturwissenschaftlichen Unterrichts ist die Entwicklung und Aufrechterhaltung des Interesses von Lernenden. Gerade im Fach Physik zeigt sich jedoch ein vergleichsweise geringes Interesse, was häufig auf die Abstraktheit der Inhalte sowie auf wenig lebensnahe Zugänge zurückgeführt wird.

Fachdidaktische Studien belegen, dass Kontexten die größte Bedeutung für das Interesse der Lernenden im Physikunterricht zukommt. Insbesondere Kontexte mit Bezug zum menschlichen Körper, zu besonderen Naturphänomenen, zu Gefahren oder zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen werden von Lernenden als besonders interessant wahrgenommen. Gerade in der Elektrizitätslehre stellt die Umsetzung jedoch eine Herausforderung dar, da häufig technische Kontexte dominieren, die nur einen geringen Teil der Lernenden ansprechen.

Der Workshop greift diese Forschungsergebnisse auf und zeigt, wie Kontexte gezielt zur Strukturierung von Unterricht eingesetzt werden können. Vorgestellt werden erprobte Unterrichtsmaterialien, in denen aktivierende Kontexte wie Zitteraal, Reiseföhn und Körperfettwaage die inhaltliche „Storyline“ bilden, entlang derer physikalische Größen und Zusammenhänge gelernt werden.

Im Fokus der Fortbildung stehen praxisnahe Beispiele aus erprobten Materialien, die unmittelbar im eigenen Unterricht eingesetzt oder angepasst werden können. Gemeinsam werden Chancen, Grenzen und Umsetzungsmöglichkeiten diskutiert, insbesondere im Hinblick auf unterschiedliche Zeitformate und heterogene Lerngruppen. Ziel des Workshops ist es, Lehrkräften konkrete Anregungen für eine interessefördernde Unterrichtsgestaltung zu geben.

Dr. Liza Dopatka, Edith-Stein-Schule Darmstadt

Unterricht in allen naturwissenschaftlichen Fächern

Nw 1 | Phase I + II

projektorientierter Workshop / Best-Practice-Sharing

Der Workshop bietet Ihnen zwei Optionen:  

Zum einen können Sie sich nach einem kurzen Impuls zur Projektarbeit erarbeiten, wie eine Öffnung Ihres naturwissenschaftlichen Unterrichts aussehen könnte. Ziel wäre hierbei auch der Austausch der Teilnehmenden und die gemeinsame Unterrichtsentwicklung unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten.

Zum anderen können Sie an einer Simulation zur Projektarbeit im naturwissenschaftlichen Unterricht teilnehmen und das Konzept detailliert kennenlernen.

Bei Interesse könnte der Workshop auch in beiden Workshopphase gewählt werden, so dass nach der Simulation intensiv an einer Anpassung des Konzepts für Ihren eigenen Unterricht gearbeitet werden kann.

In beiden Optionen bildet ein jahrelang in der Praxis erprobtes Konzept die Basis, in welchem Lernende interessensgeleitet, kollaborativ und selbstgesteuert lernen. Ziel ist es, einen Einblick in eine Möglichkeit zum freien und offenen Arbeiten und Forschen zu geben, bei der dennoch mit klaren Kriterien und Strukturen Orientierung geben wird. 

Louise Bindel, Hessische Lehrkräfteakademie & Debora Czech, Reformschule Kassel

Nw 2 | Phase I + II

interaktiver Workshop

Wir laden Sie ein, Lernarrangements kennen zu lernen und praktisch zu erproben, die naturwissenschaftliche Arbeitsweisen wie das Beobachten und das Forschen zulassen und das gezielte Manipulieren von Experimenten einsetzen, um Erkenntnisse zu provozieren. Die Ausrichtung des Angebots ist ausdrücklich experimentell und interaktiv, um unterschiedliche Perspektiven zu eröffnen und in eine konstruktive Diskussion eintreten zu können.

Alle Angebote sind in der Unterrichtspraxis erprobt und im Zuge von Fortbildungen, der konzeptionellen Entwicklung des Chemikum Marburg oder auch des SFM Marburg weiterentwickelt worden. Manche Lernarrangements wurden in Fachzeitschriften veröffentlicht oder haben den Weg in die Schulbuchliteratur gefunden.

Oliver Wissner und Kai Peter, Martin-Luther-Schule Marburg

Nw 3 | Phase I + II

interaktiver Workshop

Wie lässt sich offenes Experimentieren so begleiten, dass Lernende ihren eigenen Forschungsweg finden können? In diesem Workshop wird eine einfache Methode vorgestellt, die den Prozess sichtbar macht und beim Nachdenken über Fragen, Ideen und Beobachtungen unterstützt.

Harald Zemke / Christiane Meja, Hessische Lehrkräfteakademie

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