Plastik – Nein, danke!

Die Mensa der Kopernikusschule in Freigericht-Somborn zeigt, wie die Umstellung auf eine Versorgung gelingt, die ohne Verpackungslösungen mit Kunststoff auskommt.

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Plastikfreie Präsentation von Lebensmittel in einer Theke

So gelingt der Weg in eine plastikfreie Schulverpflegung - am Beispiel des Main-Kinzig-Kreises

Stefanie Röder, Leiterin des Geschäftsbereichs Schulverpflegung der Heinzelmännchen Hausdienstleistungen Service GmbH und ihre Kollegin, Frau Lindenfeld, Koordinatorin für Veranstaltungen erläutern, wie die Umstellung auf eine plastikfreie Schulverpflegung gelingt und was es zu beachten gilt. 

Die Heinzelmännchen Hausdienstleistungen Service GmbH verpflegt Schulen im Main-Kinzig-Kreis mit Essen. Wie viele Schulen werden von Ihnen verpflegt?

Insgesamt verpflegen wir 25 Schulen im Main-Kinzig-Kreis. Davon bieten 17 Schulen eine Zwischenverpflegung an und verzichten demnach bei diesem Angebot auf Plastik. Dabei sind alle Schultypen vertreten von Grund-, Haupt- und Realschulen über Gesamt- und Förderschulen bis hin zu Gymnasien und Berufsschulen.

Die Schulen werden dabei von etwa 360 bis hin zu 2.290 Schülerinnen und Schülern besucht. In den Mensaräumen ist jeweils Platz für 26 bis 250 Essensteilnehmende.

Wie erfolgt die Zubereitung und Verteilung der Speisen?

Gekocht wird in der Zentralküche der Kopernikusschule in Freigericht-Somborn. Von hier aus werden die insgesamt 25 Schulen im Main-Kinzig-Kreis mit Essen versorgt.

Dabei erfolgt in aller Regel eine Anlieferung des Mittagessens im Cook & Chill-Verfahren, das heißt, das Essen wird vorgegart angeliefert und an den Schulen vor Ort regeneriert. Anschließend kann das Essen direkt ausgegeben werden. Für eine Grundschule erfolgt die Warmanlieferung im Cook & Hold-Verfahren. Weil es hier keine Möglichkeit zur Regeneration vor Ort gibt, bekommt die Schule verzehrfertiges Essen.

Seit dem 01. Februar 2019 wird nun weitestgehend auf Verpackungslösungen ohne Kunststoff zurückgegriffen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und wer war daran beteiligt?

Den Anstoß zur Umstellung hat der Main-Kinzig-Kreis gegeben, der eine Reduktion der Verwendung von Plastik in allen kreiseigenen Betrieben veranlasst hat. Wir selbst hatten uns bereits vor dieser Entscheidung mit dem Thema befasst und nach plastikfreien Alternativen gesucht, um die Verpackungsflut einzudämmen.

Was hat sich mit der Entscheidung des Kreises für Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verändert?

Am Anfang stand zunächst eine lange und zeitintensive Phase der Recherche. In dieser Phase haben wir uns mit der Industrie kurzgeschlossen und nach unterschiedlichen Verpackungslösungen ohne Kunststoff gesucht. Produkte, die uns überzeugt haben, wurden in der Praxis getestet.

In Schulen funktioniert das Feedback über eine direkte Rückmeldung über die Theke – so war nach einigen Testläufen direkt klar, welche Verpackungslösungen funktionieren können und wo wir weiter auf die Suche nach Alternativen gehen müssen. In diesem Prozess befinden wir uns noch.

Was hat sich mit dieser Entscheidung für die Schulen verändert?

Mit der Einführung plastikfreier Verpackungen sind die Preise für das Verpflegungsangebot angestiegen – das gilt allerdings nur für die Angebote, die auch tatsächlich in diesen Verpackungen gekauft werden.

Wir sind dazu übergegangen, den Kindern und Jugendlichen die Speisen und Getränke im Bistro-Bereich immer zuerst im Mehrweggeschirr anzubieten und nur auf Rückfrage wird das Essen mit Verpackung für den Verzehr unterwegs ausgegeben. Wir fragen also nicht mehr danach, ob auf Geschirr gegessen werden soll – denn das ist jetzt normal, wir fragen nach, ob (ausnahmsweise) eine Verpackung benötigt wird.

Hier zeigen sich jedoch von Schule zu Schule Unterschiede. In Oberstufen klappt dieses Verfahren in der Regel gut, in manchen Schulen, möchten die Schülerinnen und Schüler das Essen hingegen generell lieber mitnehmen – auch hier sind altersbedingt Unterschiede zu erkennen. Holzpiekser, Servietten und anderes sind dabei natürlich weiterhin kostenlos.

Weil die Kosten für die plastikfreien Verpackungen auf die To-Go-Angebote umgelegt werden, zahlen Schülerinnen und Schüler hier im Durchschnitt 20 Cent mehr als vorher.

Wie wird die Umstellung von den Kindern und Jugendlichen angenommen?

Die Umstellung der Verpackungen ist noch sehr aktuell und die Kinder und Jugendlichen müssen noch mit der neuen Darbietungsform vertraut werden. Wir bemerken, dass etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler sehr begeistert auf die Umstellung reagiert; die andere Hälfte werden wir noch zu überzeugen versuchen – das geht natürlich nicht von heute auf morgen.

Wo fällt Plastik denn nun genau zukünftig weg in der Schulmensa und im Bistro?

Das warme Mittagessen in der Schulmensa wurde bereits vor der Umstellung ohne Plastikverpackungen ausgegeben. Reduziert haben wir den Plastikabfall im Bereich der Zwischenverpflegung. Hier wurde als erstes der Kakao im Tetrapack aus dem Sortiment genommen.

Die Kinder können den Kakao nun in Papierbechern mit Trinköffnung bekommen, den sogenannten 'Butterlfy Cups' oder in eigenen, mitgebrachten Mehrwegbechern, wenn sie den Kakao unterwegs trinken möchten.

Salat, Joghurt und Obst werden in plastikfreien Schalen angeboten, die aus Zuckerrohr hergestellt und sogar kompostierbar sind. Für alle Angebote, egal ob Essen oder Trinken gilt aber, dass immer auch auf Keramikgeschirr zurückgegriffen werden kann.

Natürlich haben wir hier eigentlich Mehrkosten, dadurch dass ein zusätzliches Spülen des Geschirrs anfällt – wir verzichten hier aber bewusst auf einen Preisaufschlag, um den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass diese Variante, immer die umweltfreundlichste und daher zu bevorzugen ist. Bei den großen Schulen arbeiten wir hier mit einem Pfandsystem, um die Rückgabe des Geschirrs zu regeln. Bei kleinen Schulen läuft das ohne Pfand.

Gab es Angebote im Sortiment, bei denen die Vermeidung von Plastik besonders schwierig war? Wo fiel es besonders leicht, auf Plastik zu verzichten?

Die Salatschalen konnten besonders leicht ersetzt werden. Hier suchen wir noch nach einem plastikfreien Deckel – bisher wird ein Deckel aus recycling-bio-Plastik dazu angeboten. Darauf möchten wir gerne auch noch verzichten.

Etwas schwieriger ist es, eine gute Lösung für das Angebot von Obstsalaten zu finden. Die Schülerinnen und Schüler sind die durchsichtigen Plastikbecher gewohnt, die einen direkten Blick auf das Obst ermöglichen. Da die Becher-Alternativen aus Zuckerrohr blickdicht sind, sind wir dazu übergegangen, die Deckel wegzulassen und erst kurz vor Ausgabe zu nutzen. Das hat die Akzeptanz für den Obstsalat in neuer Verpackung bereits wieder erhöht. Wir glauben, dass auch hier mit der Zeit die neue Verpackungslösung immer besser angenommen wird.

Auch beim Kakao war die Umstellung auf ein plastikfreies Angebot schnell vollzogen. Unsere Recherche ergab, dass industrielle Produkte in Portionsgrößen, die wir für die Schülerinnen und Schüler brauchen, nicht auf Plastik verzichten. Die Kinder können den Kakao nun, wenn er unterwegs getrunken werden soll, in eigene Mehrwegbecher füllen lassen oder aus Papierbechern trinken.

[Die Papierbecher mit Mundstück, sog. Butterfly Cups, haben wir vor Ort sogar getestet. Die Becher werden befüllt und mit einem Handgriff zusammengefaltet, sodass ein Trinken auch bei Heißgetränken durch die trichterförmigen Öffnungen bequem möglich wird.]

Wird die Entscheidung, Verpackungslösungen ohne Kunststoff zu nutzen, von allen Akteuren, d. h. Schulleitungen, Eltern, Schülerinnen und Schülern und den Fachkräften im Verkauf und der Ausgabe unterstützt?

Nachdem der Kreis die Entscheidung zur Vermeidung von Kunststoffverpackungen in allen kreiseigenen Betrieben getroffen hatte, wurden alle Schulleitungen des Kreises über die anstehenden Neuerungen informiert. Die Schulleitungen wurden gebeten, die Informationen an die Eltern der Kinder und Jugendlichen weiterzugeben, damit eine gute Information über diesen Entscheidungsprozess erfolgt.

Zudem haben wir über die Maßnahme in den Qualitätszirkeln der Schulen informiert, an denen wir regelmäßig teilnehmen. Wir haben darüber hinaus die Schülerinnen und Schüler vor Ort über Aushänge und Plakate darüber informiert, dass und warum zukünftig auf plastikfreie Verpackungen zurückgegriffen wird und was das für die Kinder und Jugendlichen bedeutet.

Hinweisschild der Schule zur plastikfreien Schulverpflegung
Hinweisschild des Speisenanbieters zur Information der Schülerinnen und Schüler

Die Schülervertretung ist bereits vor der Umstellung der Verpackungslösungen im Main-Kinzig-Kreis auf uns zugekommen und wollte etwas gegen die Plastikflut tun – das war natürlich klasse! So konnten wir sagen: „Machen wir schon! Wir sind dabei - dieses Thema ist uns auch sehr wichtig!“

Inwieweit wird dieser Schritt pädagogisch z. B. mit ernährungsbildenden Unterrichtsbausteinen zum Thema Ernährung, Konsum und Umwelt begleitet?

Eine Begleitung der Maßnahme durch ernährungsbildende Unterrichtseinheiten für Schülerinnen und Schüler kann sehr gewinnbringend sein. Wo wir können und sollen unterstützen wir die Schulgemeinde an dieser Stelle sehr gerne. Indem die Kinder und Jugendlichen verstehen, was ein Verzicht auf Plastik für die Umwelt und die Gesundheit bedeutet, werden sie befähigt, bewusste Entscheidungen zu treffen. Das kann die Akzeptanz für die Umstellung in den Schulen im Main-Kinzig-Kreis noch weiter steigern.

Was möchten Sie anderen Schulen, Kreisen bzw. Städten mitgeben, die vor der Entscheidung stehen, ähnliche Schritte zu gehen?

Am Anfang steht zunächst eine zeitintensive Recherchearbeit, die sich letztlich aber auszahlt. Der Prozess ist erfolgreicher, wenn eine klare Linie gefahren wird, d. h. bei uns wurde zum 1. Februar 2019 auf Verpackungslösungen mit Kunststoffen verzichtet. Kunststoffverpackungen sind seit diesem Zeitpunkt nicht mehr – auch nicht vereinzelt – im Einsatz. Hier ganz klar zu sein, ist für die Akzeptanz der Umstellung durch die Schülerinnen und Schüler sehr wichtig.

Wir kaufen die Verpackungsmaterialien daher zentral von hier [Mensa, Koperinikusschule] ein. So ist gewährleistet, dass in allen Schulen fortan einheitlich auf Verpackungslösungen ohne Kunststoff zurückgegriffen wird, gleichzeitig ist der Einkauf über eine Großbestellung günstiger, was letztlich den Kindern und Jugendlichen zu Gute kommt, weil sich die Preise auf diese Weise so gering wie möglich erhöhen.
 

O-Töne im Bistro – Abi-Jahrgang

„Die Mensa ist jetzt sauberer!“

„Es ist noch nie was kaputtgegangen.“

„Früher war der Mensadienst richtig schlimm und ist nun leichter. Es liegen keine Verpackungen mehr auf den Tischen, die weggeräumt werden müssen.“
„Für mich war das Pfandsystem keine große Umstellung. Wenn ich gegessen und getrunken habe, bringe ich mein Geschirr zurück.“
„Zuhause isst man ja auch von Geschirr!“
„Wir waren im Qualitätszirkel der Mensa und haben den Prozess mitbegleitet. Bei schulischen Veranstaltungen wollen wir das Thema weiter aufgreifen.“ (SV)
„Das Bewusstsein ist gestiegen.“

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